Technische Trends im Kino und Heimkino
von Dr. Norbert Fink

 

Stand 1.2.15

Stand 1.2.15
Im Kino geht die Verbesserung des Tones weiter einher. Dolby Atmos ist ein Tonsystem, das theoretisch eine unbegrenzte Anzahl von Tonkanälen zulässt. Dabei gibt es erstmals auch oben - unten Effekte, also echter 3d-Sound,
nicht nur rechts-mitte-links - seitlich wie derzeit bei Dolby 5.1.
Der österr. Dokumentarfilm über Extremsportler "ATTENTION – A LIFE IN EXTREMES" ist der erste europäische Dokumentarfilm in Dolby Atmos. Allerdings gibt es noch sehr wenige Kinos mit diesem Tonsystem.
Während die meisten Kinos mit 2K auskommen, gibt es einige (z.B. Leokino 1, Cinethek Lustenau) mit 4K, doch selbst fürs Kino auf DCP ist 4K-Software noch rar.
Freilich bietet das IMAX-System mit Doppelprojektion auch so etwas wie 4K-Erlebnis. Daneben gibt es Systeme mit 48fps, d.h. statt der noch vom 35mm üblichen 24 Bildwechsel pro Sekunde das doppelte, was einen optisch krasseren Effekt als die doppelte Auflösung hat.
Heimkino:
Die Fernsehgeschäfte sind voll UHD-Geräte, teils mit gekrümmter Leinwand, die schon eine 4K-Auflösung haben - doch es gibt noch keine Software dafür, noch kein Fernsehkanal und auch noch kein Plattenmedium. Auch BD schafft es nicht.
Es ist also nur sinnvoll für die eigenen Fotos aus der Digitalkamera.  Details über UHD lt. Wiki hier. Die gekrümmte Leinwand hatten in der 60er Jahren die 70mm-Cinerama-Filme auch schon!
UHD ist also noch nicht eindeutig genormt, es gibt nur Teststendungen auf Astra. Japan träumt schon von 8K-Auflösung, was dann wohl dem guten alten 70mm-Format entspricht.

Für 2016 wurde die Abschaltung von SD-Fernsehsignalen in unserem Raum angekündigt. Die Fernsehanstalten ORF und SRF wollen die Doppelausstrahlung in SD und HD beenden. Allerdings soll HD nur noch dekodiert angeboten werden.
siehe auch auf media
 

Stand 15.9.14

Seit dem letzten Update dieser Seite ist viel Zeit vergangen!

das Kino ist nun auch digital - siehe Nachruf auf den 35mm Film

 
Inzwischen ist HDTV im Fernsehen zum Standard geworden, ab 25.10.14 gibt es sogar das Österr. Regionalfernsehen ("Vorarlberg heute") in HD.

siehe HDTV Liste.
Doch halt! In Wahrheit ist dieses HD nur half-HD 1080 x 720 allerdings in "p" progressiver Aufbau. Einige Sender strahlen full HD (1980 x 1080) in "i" interlaced aus.

1080p gibts immer noch nur über Blue-Ray Disc
. Allerdings: der Unterschied ist kaum sichtbar. Bei 720p ist der Bildaufbau mit 50 Hz etwas besser, bei 1080i ist die Pixelanzahl höher, der Bildaufbau aber mit 25 Hz langsamer.

Ersteres Verfahren soll für schnell bewegte Bilder besser sein, zweites für ruhige Großaufnahmen.

 Die Industrie bietet 4k und gar schon 5k-Cinemascope Fernseher an. Toll, wenn man selbst die Aufnahmen dazu gemacht hat!  Man kann so die eigenen Aufnahmen mit der eigenen,  teuren Digital-Spiegelreflex so toll anschauen!

Aber: So fernsehen, kann man noch nicht so schnell. Selbst das Kino ist heute mit dem DCP-Verfahren in der Regel nur bei 2k und nur eine Spur besser als full-HD. 4K Kino gibts, aber nur selten (IMAX) . D.h. die Software ist noch kaum vorhanden!

4 K-Fernsehen wird in diesen Tagen allerdings von Astra und Hotbird getestet und eine neue Fernsehnorm muss geschaffen werden. 

Zum "Unsinn" mit den 21:9 Fernsehern:  seit Einführung des Tonfilmes gibt es mehrere Filmformate, mit der Tonspur wurde das Filmbild ja noch quadratischer, da die Tonspur rund 2,5 mm benötigte, so gab es dann das "Academy Format",  das nichtanamorphotische Breitbild 1: 1,85, und mehrere, aus patentrechtlichen Gründen leicht abgewandelte, anamorphotische Cinemascope-Formate (1: 2,35 - 1: 2,55; ab 1953) sowie auf 70mm das nichtanam. 70mm- Breitbild mit 1:2,1 und 1:2,76 als anamorphotisches Ultra-Panavision.
Neben dem kurzfristigen Wow-Effekt einer Neuheit spielen vor allem künstlerische und inhaltliche Aspekte eine Rolle, so ist für eine Totale, z.B. eine Landschafts-Panoramaufnahme Cinemascope das Schönste, während es für schwätzende Köpfe eher nicht so optimal ist. Natürlich war die Fernsehauswertung auch immer ein Thema, als das TV noch in 3:4 war, brillierte Cinemascope im Kino und war im TV nur mühsam darzustellen. Deswegen wurde nur sparsam in Cinemascope produziert.


Noch was zu den Kinoformaten: in diesen Formaten wurden Filme gemacht - kein Fernseher kann diese alle ohne Streifen unten und oben  oder seitlich darstellen!

35 mm Stummfilm 1: 1,33

35mm Tonfilm 1:1,22

35mm Academy Format 1:1,3

35 mm Breitbild ca. 1: 1,67 bis 1: 1:85

35mm SCOPE 1:2,2  bis 1:2,35 anamorphotisch (Bild wird horizontal verzerrt) (Anamorphotischer Faktor: 2,0)

70 mm 1:2,21 - 1:2,27

70mm Ultrapanavision 1: 2,76 (Anamorphotischer Faktor: 1.25)


alles über 70mm, das Königsformat des Kinos (1955 - 1992)


Stand 29.10.07
Die Digitalisierung des Alltagslebens schreitet unaufhaltsam fort. Auch wir in Vorarlberg sind davon betroffen, im Guten wie im Schlechten.
So waren wir eine der Ersten, denen das analoge ORF-Fensehsignal abgedreht wurde, ohne uns einen besonderen Mehrwert (z.B. durch mehr Programme) dafür zu bieten. Dies geschah bereits am 5.3.07. Mittlerweile hat der ORS (=ORF Sendetechnik) dies begriffen und uns seit 22.10.07 ein zweites Digitalpaket über DVB-T  beschert, das uns immerhin den werbefreien Kulturkanal 3sat anbietet.
Das Schweizer Fernsehen begann am 26.11.07 mit der Abschalterei des analogen Fernsehsignals und bietet dann wieder auch die 1.Programme der französischen und italienischen Schweiz an.
Etwas kluger gehen die Deutschen vor, sie bieten uns gleich 16 Programme auf den drei öffentlich-rechtlichen DVB-T Kanälen,
darunter auch arte und phönix.  Sie werden ab 27.11.07 über den Sender Friedrichshafen abgestrahlt.
d.h. unbedingt den Sendesuchlauf öfters betätigen und ggf. mit der Antenne experimentieren. Die alten UHF-Antennen sind im Prinzip geeignet, nicht aber die meisten alten Antennenverstärker und -verteilanlagen!
 


siehe auch:
Digitale Medien  - es begann mit der CD und endet beim Digitalen Kino

http://www.filmmusik-info.de/surround_sound_arten.html


Die Fernsehgeräteindustrie hat eine relativ kurze Geschichte, aber diese ist voller Innovationen.
Das Versuchsstadium des Fernsehens war in Deutschland und England vor dem 2. Weltkrieg. Vor der Braun´schen Röhre gab es gar die Niepkowsche Scheibe.
Die ersten Fernseh-Life Übertragungen gab es zur berüchtigten Olympiade in Berlin 1938, in den wenigen „Fernsehstuben“ staunten die Menschen und sahen in ein Kasten-großes Gerät, ein kleines Bild mit rund 200 Zeilen gab es zu bestaunen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, Mitte der 50 Jahre begann das Fernsehen (ARD) in Deutschland, ab 1957 in Österreich. Damals war es bei uns noch schwarz-weiss und mono, doch in den USA experimentierte man seit 1954 schon mit dem NTSC-Farbfernsehen.
Ab 1968 wurde es auch in Europa farbig, nach der PAL-Norm in Deutschland, nach der Secam-Norm in Frankreich und den Oststaaten. 1972 startete der ORF mit Farbfensehen.
Es dauerte lange bis zum Zweikanal oder Stereoton (1986), auch der Teletext kann als weitere Neuerung erwähnt werden.
In jüngster Zeit gab es mehrere Systeme für Dolby-Sourround Mehrkanalton - vor allem für Kinofilme, was jedoch die wenigsten Zuseher nutzen. Erst mit echtem Digitalton wurde es fürs Heimkino brauchbar.

Mit dem Aufkommen immer höher auflösender Kameras wurde schon seit den 70er Jahren der Ruf nach einer besseren Auflösung laut. Man dachte damals, zuerst das PAL-System auf  "DMac" umzustellen, und später auch HDMac einzuführen, doch diese – noch analog - gedachten Systeme hatten keine Zukunft und wurden kaum realisiert.

Was ist HDTV ?
Als High Definition Television (HDTV) bezeichnet man alle Fernsehsysteme, die deutlich besser als die derzeitige SD (Standard Definition) Norm von 625 x 425 Zeilen sind.

Was ist HD-ready ?
Derzeit werden viele Flachbildschirme, sowohl im LCD- als im Plasmaverfahren als HD-ready angeboten. Die Auflösung ist in der Regel 1080 x 720, also nur die Hälfte des echten HD-Bildes! 
Allerdings ist 720p mit progressiver Auflösung im Bildaufbau schneller und hat sich bei den öffentlichen-rechtlichen Sendern durchgesetzt.
Arte Deutschland sendet in 720p und Arte France in1080i. bzw. ORF / Servus TV. Der Unterschied ist gering.

Was ist full HD ?
Die künftige HD-Fernsehnorm sendet jedoch in 1980 x 1080 (interlaced). Full HD sind also Bildschirme, die diese oder eine noch höhere Auflösung haben. Noch besser ist z.B. 1980 x 1080 progressiv, was nur Blue-Ray anbietet.

Die Sinnhaftigkeit ist jedoch erst ab einer gewissen Größe des Bildes gegeben, da das menschliche Auge nur 2 Bogensekunden noch von einander unterscheiden kann. Deshalb ist ein 50Hz-Aufbau wichtiger als die Pixelmenge.

Das Schweizer Fernsehen begann am 1.12.2007 mit einem HDTV-Kanal über den Eutelsat-Satelliten. Es strahlte das Beste in HD produzierte aus allen drei Sprachregionen ab.
Der ORF begann mit der Europa EM 2008 ebenfalls einen HDTV-Kanal über Astra anzubieten.
Auch arte will in als einer der ersten HDTV anbieten. Bis 2010 werden die meisten öffentlich-rechtlichen und einige private Sender  HDTV anbieten.


Kommt noch was Besseres?
Um an die Qualität vom 35mm Kinofilm zu kommen, bzw. ihn zu übertreffen, sollte das Bild 2400 Zeilen haben.
Echtes Digitales Kino  sollte dies erreichen - sg. 4K - Norm.
Doch es werden die meisten Kinos sich nur 2K leisten können und auch die Software nur in 2K sein! 
 


Der Mai 07 -Ausgabe der Fachzeitschrift "Mediabiz "ist zu entnehmen, dass die japanische Fernsehanstalt NHK – immer schon Vorreiter in Sachen HD – nun ein UHD-TV (Ultra-High-Definition ) präsentiert hat: sagenhafte 4320 x 7680 Pixel Auflösung soll es haben, 60 Hz progressiv  Dazu ein 22.2 – Tonsystem mit sagenhaften 22 Stereokanäen. Nötige Datenrate: 24 Gb/s  - dafür muss ein neuer 21-GHz-Satelittenbereich geschaffen werden. Vielleicht ist in 10 Jahren die Technik und die Zeit reif dafür ? Umgekehrt gerechnet - das bot an Bildqualität auch der legendäre 70mm-Film der späten 50er Jahre !


update 8.5.05

Irgendwann wird es sicher kommen - das Kino ab Festplatte, der teure Transport der schweren 35mm Kopien wird dann hinfällig. Den Nutzen haben die Verleiher und die Kosten die Kinos. Sony hat jetzt eine 10 Megapixel-Kamera fürs Kino entwickelt, Festplatten und Verbindungen die diese enormen Datenmengen müssen erst noch entwickelt werden.
Man muss sich vorstellen: 25 x pro Sekunde soll ein 10 MP Bild, am besten unkomprimiert (da ja auf jeden Fall nachbearbeitet wird) gespeichert werden.
Das sind so 50 MB x 25 , also rund 1,2 GB pro Sekunde oder 4,3 TB pro Stunde....
Das Endprodukt würde auf 4% der ursprünglichen Datenmenge reduziert.

Freilich wurden andererseits neue Kompressionsverfahren entwickelt, die sogar HD-TV über DVB-T zulassen würden. (wird dann DVB-T2 heissen)

Die Umrechnung von analogen Angaben (Linienpaare/ mm) in Pixel ist freilich nicht so einfach wie man denkt.
Wir haben es mit 2 unterschiedlichen Methoden der Messung zu tun:
Beim chemischen Film werden Linienpaare pro Millimeter gemessen, d.h. wo kann noch eine schwarze Linie von der nächsten schwarzen Linie differenziert werden. Dazwischen ist natürlich eine weiße Linie. D.h. 1 Liniepaar entspricht 2 Zeilen, einer Weißen und einer Schwarzen.
Diese Messmethode wird zur Messung der Schärfe von Objektiven oder Filmen verwendet und misst das tatsächliche Ergebnis. Rein theoretisch gibt es Filme mit bis zu 600 Lp Auflösung, doch kaum ein Objektiv schafft das. Das ergäbe astronomische Pixelwerte für eine Kleinbildkamera. Erschwingliche Amateur-Zooms  geben sich mit 60 Linienpaaren zufrieden (wirken ausreichend scharf) und sind dann oft auf einer digitalen Reflex nicht mehr befriedigend, da deren Aufnahmefläche geringer als der Kleinbildkamera sind. Dies entspricht einer theoretischen Auflösung von 12 Megapixels.
Nachdem der 35mm - Diafilm eine doppelt so große Bildfläche (24 x 36, 22 x 34 effektiv) wie der querliegende Kinofilm hat, sind also also 10 Megapixels eine gute Leistung.

Die Angabe der Pixel einer digitalen Kamera - und darauf weisen immer mehr Tests hin - sagt noch nichts über die tatsächliche Qualität aus, es ist nur das Ausgabeformat. Kaum wird es so sein, dass an jeder Stelle des Bildes
eine Differenzierung jedes einzelnen Pixels möglich ist.  Der "Siemensstern", bekannt vom früheren Fernsehtestbild, gilt auch hier als Maß, wo schwarze und weiße Linie zerfließen. Und da unterscheiden sich verschiedene Kameras derselben Pixel-Klasse ganz gewaltig. Auch das Objektiv u.a. müssen passen.

Im Fotomagazin (05/2005) wird Spitzentechnik analog / digital verglichen. Das überraschende Ergebnis:
nur noch 6 x 6 u.ä. mit einem 50er oder 100er Film ist noch besser als digital (mit 8- 16 Megapixel) !
Bereits mit einem 400er Film, geschweige denn einem 800er ist die Farbdifferenzierung, vor allem im Rotbereich, schlechter als bei auf gleiche Empfindlichkeit eingestellte Digitalkameras. Die "rauschen" dann zwar auch ein wenig,
die Farbqualität bleibt aber fast gleich. Die Grenzen bestimmt mehr das Objektiv denn der CMOS-Chip.

Freilich ist für eine gleichbleibende Farbqualität ein Farbmanagement erforderlich, sonst gibt es Abweichungen zwischen Bildschirm und Ausdruck, etc.


Update 9. 1. 05

Mittlerweile gibt es eine Qualitätsskalierung des Digitalen Kinos. (nachgerechnete Werte)
Einer Auflösung von ca.

8k - 3520 Linien x 7800 Spalten entspricht der 70mm-Film, der heute leider nicht mehr gebräuchlich ist

 4 k - 2000 Linien x 3360 Spalten ist theoretisch der 35mm Film (Breitbild 12,62 x 20,95mm) und entspricht ungefähr
 4 k - 4096 Spalten x 3112 Zeilen ist das Qualitätsziel des Digitalen Kinos nach Hollywood-Norm

 2 k - 2048 x 1556 ist die geplante Europäische Qualitätsnorm (echtes HDTV in 16:9) fürs Kino
       (USA 1980 x 1080)

 1,4 k - 1080 Zeilen – europäisches HDTV - Sendeformat (dzt. im Versuchsstadium, Einführung Nov. 2005)

 0,7 k - 720 Zeilen - prof. SD- Videoformat (Maximum der DVD)

 Fernsehen PAL-TV (SD = Standard Definition) in Europa 625 Zeilen (davon 580 sichtbar), Auflösung 300-400 Linien bei terrestr. TV, USA: NTSC 525 Zeilen

DVD: 720 x 576 Pixel - VHS-Video: 220 - 400 Linien ... darin ist Kontrastumfang, Farbtiefe etc. noch nicht mit gemessen.

Daraus ist klar ersichtlich, dass das "Digitale Kino" noch lange nicht die Qualität einer guten 35mm-Kopie erreicht, allerdings besser ist als auf Film kopierte (FAZ) Videos, wie sie heute zum Schrecken der Kinogeher, immer gebräuchlicher werden.
Die Europ. Dokuzone - ein Projekt der EU mit dem Ziel, europ. Dokumentarfilme mittels digitalem Kino zu promoten, will ebenfalls nur mit erbärmlichen  0,7 k oder 1,4 k, also besseren "Amateurformaten" einsteigen, aber einen 2k-Projektor einsetzen. Es ist deshalb nach gut eineinhalb Jahren als europäisches Projekt gescheitert.

Der FKC war damals skeptisch, wir wollen eher eine Verbesserung denn eine Verschlechterung der Qualität! Auch ist die Versuchung, einfache Videoformate einzusetzen groß und dient nicht dem Qualitätsimage...

Mehr über DokuZone:
http://www.docuzone.at/
 


14.1.04
Die digitale Zukunft ?


In einem Kulturtreff im Herbst 2003 mit Landesrat Dr. Bischof warnten der Gremialvorsteher der Sektion Lichtspieltheater in der Vorarlberger Handelskammer, Peter Pienz und Dr. Norbert Fink, der Obmann des FKC Dornbirn, beide auch Mitglieder der Vbg. Filmkommission vor den Folgen des digitalen Kinos.

1. Was ist digitales Kino ?


Wir kennen derzeit mehrere bildgebende Verfahren:
a) den chemischen Film
- im Kino seit über 100 Jahren auf einem 35mm breiten, perforiertem Film mit hochgestelltem Bild (der Kleinbild-Fotoapparat nutzt quergestelltes Bild und hat deshalb ein mehr als doppelt so großes Bildformat)

b) das Fernsehen - mit in der Vergangenheit alle Jahre wechselnden Methoden, das Fernsehen aufzuzeichnen.
Videorecorder und professionelle MAZ gibt es mit analogen und digitalen Verfahren mit Aufzeichnung auf Magnetband.
Von diesen Magnetbändern kann man das Fernsehbild auf Monitoren, über Videobeamer und durch FAZ (Filmaufzeichnung - Transfer wieder auf 35mm Film) wiedergeben. Die Qualität steigt ständig, erreicht aber bei weitem nicht die Auflösung eines echten Kinofilms im Negativ-Positivverfahren.
Selbst das vielbeschworene, in Europa aber praktisch noch nicht realisierte HDTV hätte nur 1080 Zeilen,
der Kinofilm hat umgerechnet 2500 - 3500 Zeilen !
Das normale Fernsehbild hat 625 Zeilen, die echte Auflösung liegt beim DV-Video bei 400, VHS-Video kaum über 250 Zeilen, gebeamt erreicht die DVD bis 1100 Zeilen.

Der erste europäische HDTV-Fensehkanal ging am 1.1.04 auf Sendung: euro1080
http://de.wikipedia.org/wiki/Euro1080

c) das künftige digitale Kino basiert zwar auf der Beamertechnologie (hier gibt es TFT und DLP-Verfahren),
der professionell gemachte digitale Film hat jedoch eine so hohe Auflösung, dass er theoretisch nicht mehr vom chemischen zu unterscheiden ist. Schon lange werden viele Tricksequenzen digital hergestellt und auf Film zurückkopiert -natürlich ohne Qualitätsverlust. Allerdings sind die Beamer derzeit noch nicht ganz so weit -
und kosten, um ein über 10 m breites, helles und kontrastreiches  Bild herzustellen noch Unsummen.
Normale Beamer haben derzeit nur einen Kontrastumfang von 1:400.

Die Zulieferung erfolgt dann via Satellit oder Breitbandkabel - der Verleih spart sich die hohen Transportkosten per Bahn oder Spedition. Die Speicherung ist auf Festplatten.

Allerdings entscheiden dann einige wenige solcher Anbieter, was wann wo läuft: es ist anzunehmen, dass beim Start von Blockbustern praktisch dann weltweit in allen digitalen Kinos dasselbe läuft. Auch individuelles Rücksichtnehmen auf Zuspätkommende ist nicht mehr drinnen.
D.h. die Monopolisierung durch die US-Medienkonzerne nimmt weiter zu, die Möglichkeiten für "kleine" Filme und Filmen aus allen anderen Ländern der Welt sinkt, da die US-Firmen die technischen Normen vorgeben und diese so hoch ansetzen, dass sie für kleine Produktionen praktisch nicht erfüllbar sind. Ausgerechnet Bill Gates´ Microsoft will da als Retter auftreten und einen "Mediaplayer" für Kinos entwickeln, den sich auch Entwicklungsländer leisten können sollen...
 

lDrohende Digitalisierung :
 
  • lDigitales Kino"Das Kino steht mitten drin in der Übergangszeit vom Zeitalter der photochemisch- mechanischen Technik zur voll-digitalen, es steht in einer Revolution, deren Ausmaße größer und umwerfender sind als damals, Ende der Zwanziger Jahre, der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm." —
    so Wim Wenders in einem Vortrag im Jahr 2000.

  • lEnde 2002 gab es nach einer bei der FFA Filmförderungsanstalt erschienenen Studie von Inga von Staden und Beate Hundsdörfer weltweit bereits rund 120 Kinos, die mit digitaler Projektionstechnik ausgestattet sind, davon allein 69 in den USA, 19 in Europa und zwei in Deutschland, beides Multiplex-Kinos: UCI Kinowelt Zoo Palast in Berlin und der CINEDOME Köln. [2]Ist damit nun der Anfang vom Ende der Zelluloid-Ära eingeleitet? Und welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Kinolandschaft, insbesondere auf die Situation der kleinen und mittleren Kinos? 
  • lFlaschenhals 
  • lDazu heißt es in der eben zitierten Studie weiter: "Der Flaschenhals in der Verbreitung des digitalen Kinos sind die Filmtheater. Denn (...) einsparen tut die Branche vor allem durch den Wegfall des Umkopierens, der Digitalisierung, Ausspielung und schließlich Vervielfältigung von 35-mm Filmmaterial. Für Produktion und Verleih amortisieren sich somit die Investitionen in digitale Technologien in kürzester Zeit. Nicht so bei den Kinobetrieben.
  • lNachdem diese sich in den vergangenen Jahren mit aufwendigen Tonwiedergabe-
    systemen ausgestattet haben, ist in den meisten Fällen eine Investition von zur Zeit 150.000,00 Euro für einen digitalen Projektor nicht realisierbar.
 
  • lEs ist abzusehen, dass die neuen Geräte eine Halbwertzeit von nur 2-3 Jahren haben, während klassische Projektoren mit einer Halbwertzeit von bis zu 10 Jahren in der Größenordnung von 30.000,00 Euro gehandelt werden. Damit nicht genug, die Kinobetriebe brauchen für die digitale Projektion auch eine entsprechende IT-Infrastruktur, die es mit Hilfe von Systemadministratoren zu warten gilt. (manche 35mm-Projektoren halten auch 40 Jahre …)
l
  • lDagegen stehen wenig Aussichten auf mehr Einnahmen, jedenfalls nicht mit dem klassischen Kinogeschäft. Die Entwicklungen in den USA und China lassen vermuten, dass sich die großen Verleihfirmen an den Investitionen beteiligen werden – nämlich in den Kinoketten, die ihnen angeschlossen sind. So schaffen sich die Majors den direkten Weg zum Publikum. Für die Programmkinos und die unabhängigen kleinen und mittleren Unternehmen bedeutet das potentiell, in der Nahrungskette der Blockbuster noch weiter nach hinten zu rutschen."
l
  • lHohe Investitionen in neue Technik erforderlich, derzeit noch nicht ganz ausgereift
  • lDadurch weitere Monopolisierung und noch stärkere Kontrolle durch globale Medienkonzerne
  • lGATS könnte Filmförderung bedrohen und somit kleine unabhängige Filme praktisch unmöglich machen
l
  • Ersatz des 35mm-Filmprojektors durch satellitengesteuerte Beamer
l

Die Behauptung mancher Befürworter der digitalen Kinos, das Bild sei besser und brillanter als das herkömmliche, konnte bisher in Österreich noch nicht bewiesen werden.

An die Bildqualität des früheren 70mm - Filmes, der aus Kostengründen praktisch ausgestorben ist, wird es noch lange nicht herankommen.     

FAZIT:
Für Programmkinos und Filmclubs ist das digitale Kino eher eine Bedrohung als ein Segen. Noch mehr vom Gleichen wird es geben (wie einst bei der Privatisierung des Radios und Fernsehens auch).
Die Investitionen in eine Beamertechnologie, die wirklich die Qualität des chemischen Films erreicht, ist in den nächsten Jahren nicht finanzierbar.
Das Abspielen von Videobändern / DVD über normale Bürobeamer ist kein Fortschritt, sondern nur ein größeres Fernsehbild, und das will niemand, der ins Kino geht !

s. auch - Powerpoint Präsentation von Peter Pienz und Norbert Fink anlässlich des Kulturtfreffs mit Landesrat Dr. Bischof am 20.10.03 im Oscar-Kino Feldkirch.




Praktisch alle Kinos arbeiten heute noch mit dem konventionellen 35mm Film, der ist so alt wie das Kino selbst.
Geändert hat sich nur das Bildformat innerhalb des genormten Kaders, deutlich verbessert und erneuert wurden in den letzten 20 Jahren die Tonformate, vor allem die digitalen. (dts, dolby digital ...)
Beim gebräuchlichsten Format, dem Breitbild (ca. 1: 1,85)  wird durch große schwarze Balken zwischen den Kadern und dem Platz für den optischen Lichtton viel Platz verschenkt.
Cinemascope (1:2,2) nutzt den Platz da besser, benötigt aber einen Anamorphoten zusätzlich, der das verzerrte Bild zylinderisch entzerrt. Allerdings werden dadurch auch Kratzer vergrößert....

Deshalb gibt es eine neue Variante, das Super-35 mm Bild, welches den vorhandenen Platz besser ausnützen würde und auf den Lichtton verzichtet.
Zwar wäre ein Umbau der bestehenden Projektoren möglich, aber immerhin, es wären keine neuen Geräte erforderlich, der mechanische Teil bleibt gleich, Optik und Lichtführung müsste allerdings umgebaut werden. Durch Querlegen des Bildes könnte man das Bildformat mehr als verdoppeln, wie es z.B. TODD-AO 65mm bei der Aufnahme für 70mm nutzte.

Das früher für einige Großfilme verwendete 70mm-Verfahren (mit 6 Magnet-Tonspuren) ist praktisch tot, das 70mm Bild lebt aber im neuen IMAX Verfahren wieder auf. Doch hier ist das Bild auch quergelegt und somit ganz erheblich größer, IMAX 70 ist das absolut beste, was aus dem optischem Film herausgeholt werden kann. Allerdings gibt es die IMAX Filme nur in den Imax Kinos und auch die Imax Kinos können die normalen Filme nicht zeigen.

Das 16mm Format, früher das Fernsehfilmformat (und für Schulen und Kleinkinos), ist ebenfalls so gut wie tot.


Digitale Verfahren

Da im Home-Bereich Video längst Super8 abgelöst hat und das digitale DV-Verfahren schon eine verblüffende Qualität hat, fragt man sich, wann das normale Kino auch digital sein wird. D.h. die Projektion mit einem Beamer ab Video-Quelle erfolgt.

Ein normaler 35mm Film hat immer noch eine Auflösung von über 2000 Zeilen, während ein VHS-Video nur 220 Zeilen, das normale Fernsehbild 625 Zeilen schafft. Ein Diafilm für den Amateur schafft bis 120 Zeilen pro mm (=4820 x 2880 Pixel = ca 14 Mio; Nikon behauptet, die theoretische Obergrenze des chemischen Films läge bei 23 Mio. Pixels !) und das ist noch meilenweit entfernt von den "guten" Digitalkameras mit 4, 5, 6 oder gar 10 Megapixels, die andererseits für normale Ausdrucke auf 10 x 15 Papier mehr als ausreichend sind und natürlich durch die sofortige Verfügbarkeit und Bearbeitbarkeit des Bildes immer mehr Freunde gewinnen .

Von High Definition Verfahren spricht man bei einer Auflösung von über 1000 Zeilen, die ist  immerhin so gut wie 16mm...

FAZ - der erste Schritt
Immer mehr 35mm Filme sind Film-Aufzeichnungen (FAZ). Ausgangsbasis ist ein professionelles Videoformat wie DigiBeta oder andere Systeme mit 3 getrennten Farbkanälen (Amateurvideos haben nur 1 CCD-Kameras, Profis 3 CCD).
Früher waren diese Filme deutlich schlechter, die Bilder hatten an kontrastreichen Stellen Schattenlinien (Densitorien), die Farben waren ausgewaschen und unnatürlich.
In der letzten Zeit wurde hier- vor allem durch neue Kaltlasertechnik und Interpolieren durch Computer - ein enormer Fortschritt erzielt.
Die deutsche Firma ARRI, bsieher bekannt durch 16 und 35mm Arriflex-Profi-Filmkameras hat ein neues Belichtungsverfahren entwickelt,
welches die fehlenden Pixel hochrechnet und so eine dem 35mm Film entsprechende Schärfe erreicht, und kaum noch optische Fehler hat.
Immerhin ging das Belichten eines 90-Min Filmes mit je 24 Bilder pro Sekunde früher noch fast eine Woche, jetzt noch rund 3 Stunden....
Kenner sehen FAZ an 2 Symptomen: beim optischen Film sind dunkle Szenen (Nachtaufnahmen) übertrieben farbintensiv und Szenen bei heller Sonne eher weniger. Beim Video ist es genau umgekehrt....
Max. Qualität 4096x3112 pixel (4k-Auflösung)
(www.arri.de)



 


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