Programmkino in Vorarlberg
Vorgeschichte und Stand der Dinge

updated  und zusammengefasst 19.08.15

Definition - Was ist ein Programmkino?
Ein gutes Programm ist zuwenig !
 
Wenn wir das Kinohandbuch Österreich (2000) anschauen, fällt uns die Unterteilung in „Ur- und Erstaufführungskinos“, „Nachspielkinos“ und „Programmkinos“ auf. Demnach wäre jedes Kino, welche nicht an die von den großen Verleihern bestimmten Erstaufführungstermine gebunden wäre bzw. diese Filme nicht automatisch „nachspielt“ ein Programmkino. So kommt es auch, dass bei dieser Selbstdefinition Sexfilmbuden am Wiener Gürtel in dieser Aufzählung als „Programmkino“ aufscheinen, schließlich machen ja auch sie ein „anderes“ Programm und manches Kommerzkino, in welches sich ab und zu ein „künstlerischer“ Film verirrt, auch schon meint, es sei deswegen ein „Programmkino“. Im Prinzip ist jedes Kino, welches selbst bestimmt, wann welche Filme laufen, ein Programmkino und deshalb relativ selten.


Die Kriterien eines Programmkinos für uns sind jedoch:

 

l  alle Filme in OmU-Fassungen zeigen (nur bei großer Nachfrage auch die deutsche Fassung), Vollbetrieb als Programmkino auch am Wochenende

    Auswahl von Filmen, wie sie auf künstlerisch ausgerichteten Filmfestivals gezeigt werden, also Arthouse und Festivalfilme

l      Auch Events mit Filmschaffenden, Reihen, Schwerpunkte, Kinderfilme, Filmgeschichte

l      Formatrichtiges Spielen in Bild und Ton (dieses Kriterium wurde zur Zeit des analogen 35mm Films oft nicht erfüllt)

l      Objektivere, unabhängigere Filmbeschreibung auf Homepage und Programmzeitung – keine bloße Übernahme der Werbetexte der Verleiher

l      Wenn nötig auch Eigenimporte, „Best of festivals“, Filme über Botschaften, notfalls auch mit englischen Untertiteln

l      Anspruchsvolles Programm auch am Wochenende zu normalen Zeiten

l      Gemäßigter Eintrittspreis, ggf. verbilligte Abos (um 2-3 € billiger als Normalpreis)

l      Keine Vermischung von Kultur und Kommerz, eindeutige Imagebildung, Verzicht auf Kinowerbung

l      Professionelle Betreuung, keine ehrenamtliche Arbeit mehr

        Bestes Beispiel: Leokino Innsbruck mit Cinematograph

Die großen Programmkinos in Österreich haben in der Vergangenheit aus der Not eine Tugend gemacht und selber Verleihe gegründet, um das oft unzureichende Angebot an (vor allem an nicht US-amerikanischen) Qualitätsfilmen decken zu können: das Stadtkino Wien, das Leokino Innsbruck hatte den Cinematograph-Filmverleih, das Filmcasino gehört dem Poly-Filmverleih, das Votiv-Kino demn Filmladen).
Wien:
Stadtkino (früher am Schwarzenbergplatz, jetzt Künsterhauskino) und Filmzentrum am Spittelberg, Filmhaus Stöbergasse und das HTU-Cinestudio sind Programmkinos nach der o.a. Definition, aber auch die Breitenseer Lichtspiele (BSL), Urania (im Besitz der Cineplexx-Gruppe), das Schikaneder-Kino, und das Bellaria zeigten vom Mainstream abweichende Programme. Besonderen Stellenwert für die Filmkultur haben auch das Filmmuseum (zeigt alte Filme) und das Filmarchiv (lagert und konsverviert alte Filme).

In den Bundesländern schaut es so aus, dass nur Vorarlberg und das Burgenland derzeit keine Programmkinos haben.
Oberösterreich: Programmkino Wels, Moviemento Linz (2 Säle)
Niederösterreich: Cinema Paradiso  - St. Pölten (erfüllt aber nicht immer die OmU-Regel)
Kärnten: Neues Volkskino Klagenfurt
Steiermark: KIZ Royal Graz, Schubert Kino, Rechbauer-Filmzentrum
Salzburg: „Das Kino“, Stadt Salzburg (2 Säle)
Tirol: Leo-Kino Innsbruck mit Cinematograph (3 Säle) Vorgeschichte:
Die "Aktion Film Vorarlberg" hatte sich seit Jahren damit beschäftigt, für die Errichtung eines Programmkinos in Vorarlberg zu kämpfen
1997:
Der erste Anlauf war 1997, als die Apollo Kinobetriebe Peter Pienz den Mietvertrag mit den Weltlichtspielen Dornbirn kündigte.
Obmann Dr. Fink bemühte sich damals sehr, dass der Cinematograph Innsbruck die Weltlichtspiele übernimmt und ein Programmkino ähnlich dem Cinematograph Innsbruck betreibt.
Da Pienz jedoch den schlechten Bauzustand der Weltlichtspiele als Kündigungsgrund angab und auch die Technik damals nicht den hohen professionellen Anforderungen des Cinematograph entsprach, scheiterte dieses Projekt und die Weltlichtspiele blieben einige Monate geschlossen. (vom 1.6.-28.8.97). Danach mietete Michael Wieser die Weltlichtspiele. Seither entwickelte sich nicht nur die Zusammenarbeit mit dem FKC sehr positiv (ständiges Besucherplus und zweiter Termin ab 1999), auch das reguläre Programm der Weltlichtspiele wurde nach der Eröffnung des Cineplexx immer besser und erreicht manchmal fast das Niveau eines Programmkinos. Allerdings weigerte sich Michael Wieser seine Filme in OmU-Fassung (Original mit Untertiteln) zu zeigen.

1999:
Die Aktion Film Vorarlberg - als "Arbeitsgruppe Programmkino" - erstellte ein Konzept für ein Programmkino und errechnete die Kosten. Bald konnte Kulturlandesrat Dr. Bischof überzeugt werden, dass Vorarlberg nicht das einzige Bundesland Österreichs ohne Programmkino sein darf. Mit der Eröffnung des Cineplexx in Hohenems sollte ferner einen Gegengewicht zum kommerziellen Filmbetrieb hergestellt werden, wo die europäische Filmkultur und -tradition im Vordergrund steht.

Projekt Feldkirch
Im Frühjahr 1999 führte der Kulturkreis Feldkirch im Oscar Kino, nachdem dieses den kommerziellen Betrieb einstellte, einen subventionierten Programmkino-Probebetrieb durch.
Dieser verlief immerhin so gut, dass Planungen für einen Umbau in das erste Vorarlberger Programmkino aufgenommen wurden. Da aber zwischen den Besitzern des "Oscar", der Familie Thurnher, und der Stadt Feldkirch bis jetzt keine Einigung über die Finanzierung erzielt werden konnte, werden auch noch andere Objekte geprüft, in denen das Programmkino in Feldkirch betrieben werden könnte:
Das Graßmayr-Haus zwischen dem Theater am Saumarkt und dem E-Werk der Stadtwerke oder ein noch zu mietendes Objekt im nahegelegenen "Ganahl" Areal.
Anfang Dezember 99 sprach sich die Stadtvertretung der Stadt Feldkirch für die Errichtung eines Programmkinos aus, die Kosten für den laufenden Betrieb wurden in das Budget für das Jahr 2000 aufgenommen. Nicht abgeklärt sind jedoch bis jetzt der Standort und die Kosten für die Errichtung bzw Adaptierung. 

2000:
Der Kulturkreis Feldkirch favorisiert als Standort das Graßmayrhaus, die Finanzierung des laufenden Betriebes seien durch mündliche Zusagen seitens der Stadt Feldkirch, des Landes Vbg., des Bundes und der EU gesichert. Allerdings stelle die Finanzierung der nötigen Infrastruktur noch große Probleme dar, Verhandlungen mit der Stadt und dem Land würden aufgenommen werden.
Im Mai 2000 wurden im Graßmayrhaus Modelle von Ideen Studierender der Meisterklasse Architektur der Uni f. industrielle Gestaltung in Linz unter der Leitung von Prof. Roland Gnaiger ausgestellt. Sie sollen Varianten zeigen, wie das Graßmayrhaus als Kino genutzt werden könnte.
Besorgt zeigt sich der Kulturkreis Feldkirch jedoch von Plänen "mindestens zweier privater Kinobetreiber" in Feldkirch ein Kino zu betreiben. Dies gefährde den Plan, ein Programmkino zu errichten.
(Letztes ist mir unverständlich, da ein kommerzielles privates Kino und ein Programmkino so unterschiedlich sind wie eine Hamburgerbude und ein 4-Hauben-Lokal...)
Dezember 2000:
Die Chancen, dass je ein Programmkino in Feldkirch entstehen wird, schwinden. Zwar steht das "Oscar-Kino" noch immer, doch wäre eine Wiederinbetriebnahme nur ohne echte Restauration und grundlegende Veränderung möglich, was alle Betreiber ablehnen.
Die Kosten für die Adaptierung des Graßmayrhauses sind zu hoch und die Stadt Feldkirch hat sich dagegen ausgesprochen, dieses als Programmkino zu nutzen..

Es gibt jedoch in Götzis ein altes stillgelegtes Kino, welches sich in der unmittelbaren Nähe eines Kultur- und Freizeitereals (AMBACH)  befindet. Es soll diese Variante geprüft werden. Die Idee, ein Programmkino zu errichten ist also nicht tot, auch die Vbg. Filmkommission steht voll dahinter.

2001

Vom Kulturkreis Feldkirch wird berichtet, dass die Stadt Feldkirch „mit allen Mitteln“ das Oscar-Kino wieder herstellen will und Michael Wieser im Prinzip bereit wäre es zu betreiben. Der Kulturkreis könnte dann 5 Vorstellungen pro Woche, mit 1-3 Filmen, frei programmieren. Es wären dies aber keine Wochenend-Termine, so dass die Cineasten wieder an den Arbeitstagen oder spätnachts ins Kino gehen müssten. Leider sollte dazu auch das Land Vorarlberg Subventionen zuschiessen.  

Meine Meinung: Im Prinzip begrüßen wir alle, wenn Feldkirch wieder ein Kino bekommt.Allerdings sollten 5 von rund  32 Vorstellungen nicht dazu missbraucht werden, Subventionen für ein Programmkino zu kassieren und damit ein echtes PK für immer zu verunmöglichen. Das neue Oscar Kino sollte, wie die anderen Kinos auch gefördert werden und der Kulturkreis als Filmclub natürlich auch - gleich wie FKC und Filmforum über Ausfallhaftung. Es sollte aber keine "Kulturförderung" für den Kommerzkinobetrieb geben.
.
Götzis will das alte Kino ebenfalls reaktivieren; hier wäre der Saal, dessen Renovierung mehrere Mio S kosten würde, nur an einigen wenigen Tagen, nicht aber am Wochenende bespielbar; Ursache ist die Tatsache, dass die alteingesessenen Götzner Vereine den neuen Vereinssaal nicht annehmen und viel lieber im alten Kino bleiben. Wohl aber möchten sie am Donnerstag, also zum gleichen Zeitpunkt wie das FF Bregenz und der FKC Dornbirn auch einen künstlerischen Film zeigen. Ein bislang in Cineastenkreisen kaum bekannter Verein würde die Programmierung übernehmen. Auch dieser Vorschlag ist weit davon entfernt, die Kriterien eines echten Programmkinos zu erfüllen.

Bedauerlicherweise sind die Einhorn-Film (Michael Wieser), welche 2001 die Weltlichspiele Dornbirn betreiben, derzeit nicht bereit darüber zu verhandeln, aus diesem Standort ein echtes Programmkino zu machen. "Das Publikum will weder Untertitel lesen noch langweilige japanische Filme sehen", meinte Wieser wörtlich.

Auch das Metrokino Bregenz möchte ev. erweitern und dann einen Saal als Programmkino führen. Das Bregenzer Filmforum, welches angeblich ein solches Konzept  ausarbeitete, warnte aber in einem Mail an die Kulturjournalisten und die Cineastenszene vor vorschnellen Entscheidungen.
Das FF will eine genaue Studie:
"Die geforderte Studie soll die aktuelle Situation im Lande erheben, verschiedene Standorte untersuchen, Besucherzahlen analysieren, die
wirtschaftliche Rentabilität berechnen, Vergleiche mit anderen Kinos und Regionen durchführen, ein Stärken-Schwächen-Profil erarbeiten,
Entwicklungspotenziale eruieren, den möglichen Nutzen beschreiben, Auswirkungen auf den Tourismus untersuchen usw."

FKC-Obmann Dr. Fink legte fast zeitgleich dazu seine Gedanken vor, was denn eigentlich ein optimales Programmkino sei. Geglückte Beispiele für Programmkinos sind das Leo-Kino mit Cinematograph Innsbruck und "Das Kino" in Salzburg. Beide werden professionell - nicht ehrenamtlich - betrieben, erfreuen sich regen Besucherzustromes und machen mutiges Programm (v.a. Innsbruck).
 

10.6.2001
Was meinte die Filmkommission ?
- meine Thesen zum Programmkino wurden gut geheißen, lassen sich aber vorerst nicht verwirklichen, aber sind eine akzeptierte Definition, was ein Programmkino ist
- das Rundschreiben des Filmforum wurde als Verzögerungstaktik der Bregenzer bewertet; das Filmforum möchte nämlich auch andere Optionen neben dem Metrokino, immerhin ist dessen längere Zukunft unklar. Schließlich wurde in Feldkirch eine Bedarfanalyse und sogar ein Testbetrieb hergestellt.

Nun schaut es so, dass es der politische Wille des Landes ist, die Wiedereröffnung des Oscar-Kinos in Feldkirch zu fördern. Dies soll jedoch kein endgültiges "Aus" für die Idee eines Programmkino oder gar eine Reduktion der Förderungen für die Filmclubs bedeuten. Auch können Förderungszusagen immer nur für ein Jahr gegeben werden, nicht für 10 Jahre....

Jedenfalls empfahl die Filmkommission mit einer Stimmenthaltung das Konzept der Stadt Feldkirch (Einhorn-Film Michael Wieser als Betreiber, Otmar Rüzler Geschäftsführer !)
unter diesen Präambeln eine Förderung - allerdings nur für ein Jahr. Da dies billiger komme als ein Programmkino, wäre sogar ev. noch eine Erhöhung der Beiträge an die Filmclubs möglich.
Hingegen ist auch ein hauptamtlicher Filmkoordinator, wie ihn manche zur Netzwerkbildung für die Filmclubs forderte, nicht finanzierbar.
Damit dürfen Cineasten weiterhin zu den Hauptterminen am Wochenende nur fernsehen,
denn die Filmclubs dürfen nur an Werktagen oder im Nachtprogramm programmieren ...
Dabei hätten sicher auch manche ihrer Filme am Wochenende einen größeren Zulauf ...
Kein echtes Programmkino in kürze!
Am 14.9.2001 eröffnete das Oscar-Kino, betrieben von der "Weltlichtspiele GMBH", wieder das Kino und bietet durch die Filmgruppe des Theater am Saumarkt wieder eine starke Filmclub-Schiene ein, wofür es kräftigst subventioniert wird. Leider sind die meisten Cineastentermine in die Nacht verdrängt. Kurze Zeit später wird Hollywood ein Exempel statuieren und den Namen "Oscar" verbieten, das Kino wird dann für einige Zeit in das "Kino Namenlos" umbenannt.

26.8.01
Nun, alle wollen ein Programmkino und keiner baut eines oder betreibt eines. Die Filmclubs sollen ehrenamtlich, also selbstausbeuterisch und kostengünstig, diese Rolle verstärkt übernehmen. 
Die Kinos freuen sich ob der Subvention, die sie direkt oder indirekt dafür bekommen...
Im Oscar Kino Feldkirch wird die TAS-Filmgruppe ab Herbst 01 also bis zu 5x wöchentlich (1-3 Titel) einen "Kunstfilm" zeigen, da kann der Filmclub der Landeshauptstadt also auch nicht anders  und bringt auch 2x2 Filme pro Woche.  

2003:
Siegfried Gruber erstellt ein Marketing Konzept für ein Programmkino in Vorarlberg, welches auf der FKC Homepage veröffentlicht wird und auch in der "Kultur" diskutiert wird.

August 2003:
Die Weltlichtspiele haben den Betreiber gewechselt - Besitzer Klaus Spiegel lässt durch Harald Luss viele Filme auf "Programmkinoniveau" programmieren. Allerdings laufen sie in der synchronisierten Fassung und ohne tiefer gehende Information.
Sollten die Weltlichtspiele umgebaut werden, soll der FKC ins Cinema 2000 wechseln und dieses ein Programmkino werden ...

2004 - ändert sich nicht an diesem Zustand
2005 - ebenfalls nicht
2006 - könnten sich Veränderungen in der Vbg. Kinolandschaft ergeben - der Neubau eines Unterhaltungszentrums mit 4 Kinosälen, Bowling und Disco wird in Betrieb gehen (Als Edro - Unterhaltungszentrum bzw. Cineplexx Lauterach) und ein Kinobetreiber wird in Pension gehen.

4.2.2006

In den letzten Tagen ist sehr viel Bewegung in die Diskussion gekommen.
- es fand zu diesen Thema eine Sitzung der Filmkommission statt
- die Idee eines Probebetriebes wird eher nicht unterstützt, man sollte sich klar entscheiden, ob man die "Nahversorgung durch die Filmclubs"
weiterhin fortführen soll oder statt dessen ein zentrales Programmkino errichten soll.
- die VN machen sich Sorgen um das Metro-Kino Bregenz und veröffentlichten Interviews
- sowohl Vertreter des Filmforums als auch ich können sich auch das Metro als echtes Programmkino vorstellen
- dagegen verwahrte sich Pete
r Pienz, Gremialvorsteher der Lichtspieltheater in der Vbg. Handelskammer
- Pienz und Fink können sich aber auch Dornbirn vorstellen


Am 3.2.06  interviewte Walter Gasperi für die "Kultur" -Märzausgabe Pienz und
Fink:

-auch Pienz könnte sich Dornbirn als Standort für ein Programmkino vorstellen, allerdings ist bei beiden Dornbirner Kinos keine rasche Entscheidung zu erwarten, die Weltlichtspiele müssten sich dafür in einen Umbau (kleinere Variante mit 2 Säle) entscheiden, das Cinema2000 ist in der Phase
einer wirtschaftlichen Umstrukturierung.
 
- das Metro erscheint etwas zu groß, außerdem müssten die Bregenzer dann für den Besuch von Hollywood-Filmen zur in Bau befindlichen Konkurrenz ausweichen, so Pienz.
- denkbar ist, dass das Filmforum sein Programm noch weiter ausweitet und täglich im Saal 2 oder 3 etwas zeigen kann, dies wäre aber ein problematischer Mischbetrieb, immerhin gäbe es dann ev. auch am Wochenende zur Hauptabendzeit für Cineasten eine Möglichkeit ins Kino zu gehen.
Auch würde diese Lösung die Schaffung eines echten Programmkinos torpedieren.
- die selbstausbeuterische "ehrenamtliche" Nahversorgung durch die Filmclubs hat zwar den Vorteil, dass in Feldkirch, Dornbirn, Bregenz und fallweise auch in Egg und Rankweil filmkulturelle Aktivitäten stattfinden.
Die Nachteile

- schlechte, oft formatfalsche Vorführung
- kein Programm am Wochenende um
19 oder 20 Uhr
- Filme laufen erst mehrere Monate nachdem sie in Wien, Innsbruck oder Salzburg gezeigt wurden
- kaum Möglichkeit zu Eigenimporten aus dem Ausland
können aber nicht behoben werden. 
 

7.9.2006

In Lauterach wird, s.o., ein Unterhaltungszentrum mit Bowling, Discos und 4 Kinos Ende dieses Jahres eröffnet. Betreiber der Kinos soll die Cineplexx-Gruppe werden. Was besonders verwundert ist jedoch die Aussage, dass man dort "anspruchsvollere Filme" zeigen will (als in Hohenems).
Ist dies tatsächlich der Fall, wären natürlich die Weltlichtspiele Dornbirn und das Metro-Kino die Betroffenen.
Klaus Spiegel von den Weltlichtspielen will aber deswegen seine Umbaupläne, die seit Jahren in den Schubladen auf Realisierung warten, nicht vergessen. Im Gegenteil, er plant den Umbau der Weltlichtspiele in ein 4-Saal-Kino, ließ er verlauten.

Peter Pienz, Gremialvorsteher der Sektion Lichtspieltheater in der HK, weist darauf hin, dass nach dem Anti-Trust Urteil (auch kleine Kinos müssen ab einer bestimmten Kopienanzahl mit Filmen versorgt werden) die Filmverleiher eine Kopienverknappung betreiben. So seien von vielen Filmen oft für ganz Österreich nur 20 Kopien vorhanden.
Das ist jedoch noch völlig untertrieben! Von vielen von den Vbg. Filmclubs gezeigten Filmen gibt es oft nur 1-2 Kopien (in OmU), in der Synchronfassung höchstens 8.
Dies bedeutet für kleine Betreiber wie wir - langes Warten, der Film kann oft erst 1/2 Jahr nach Wien bei uns gezeigt werden, und oft Jahre nach der Uraufführung auf einem Festival. US-Schinken hingegen werden weltweit zum gleichen Zeitpunkt gestartet.

DAGEGEN HILFT NUR EIN STARKES PROGRAMMKINO in VORARLBERG!

In den letzten Monaten ist es auch zu mehreren Gesprächen mit politischen VertreterInnen div. Parteien gekommen.
Feldkirch, Dornbirn und Bregenz hätten gerne ein Programmkino, wenn es in ihrem Ort liegt. Der politische Druck / die Unterstützung müsste dahin laufen, dass ein Kinounternehmer dazu ermuntert wird, sein Kino auf echten Programmkinobetrieb umzustellen und dafür die nötigen Subventionsgarantien erhält.

Die Idee der Grünen war ein Programmkino zu errichten, aber trotzdem weiterhin die Nahversorgung durch die Clubs zu gewährleisten, bzw. vom PK aus auch die Clubs zu unterstützen. Das wäre zwar schön, finde ich aber schwer finanzierbar und auch von der Publikumsnachfrage her sehr problematisch.

29. 10.07

Die Situation ist derzeit nicht sehr günstig. Eine neuerliche Debatte über ein Programmkino in der Vbg. Filmkommission ergab im Frühjahr 2007 für die öffentliche Hand insoweit keinen Handlungsbedarf, als dass man den Aussagen des Betreibers der Weltlichtspiele Dornbirn, Klaus Spiegel,  glaubte, er werde nach dem Neubau der Weltlichtspiele weiterhin gehobenes Programm anbieten, bei 4 Sälen werde einer dem Kunstkino gewidmet. Nachdem nun die Rentabilität eines solchen Baus im Stadtzentrum offenbar nur gegeben  ist, wenn auch Geschäfte und Wohnungen Platz finden, müsste der Bau so hoch wie Sparkasse nebenan werden - was aber den Stadtplanern missfällt. Eine Variante mit 2 Sälen - die ideal für ein Programmkino wäre - will er nicht mehr. Wenn er kleiner bauen müsse, dann kein Kino mehr.
Die Weltlichtspiele kündigen seit Jahren einen Neubau an und vertrösten den FKC seit Jahren immer wieder um einige Monate mehr, die er spielen kann. Der FKC glaubt langsam nichts  mehr, bis die Bagger da stehen. 
(Die werden erst am 29.7.2015 kommen und kein neues Kino aufbauen!)
Auch das Cinema 2000 ist nicht wirklich an einem Programmkino interessiert, es wartet offenbar auch ab, was der Mitbewerber vorhat.
In Lustenau hat die Kinothek den Besitzer gewechselt und plant einen Ausbau auf 3 Säle - mit kommerziellem Programm und bewährtem Konzept (mit Gastronomie und Rauchmöglichkeit) auch für die Schweizer Gäste.
Das edro Unterhaltungszentrum in Lauterach hat mit Verspätung das Kino eröffnet, seine Auswirkungen auf das Metro Kino Bregenz sind gering. Wie zu erwarten war, werden dort keine anspruchsvollen Filme gezeigt, wodurch die Filmclubs nicht tangiert werden.
  
Der Fortbestand des Metro ist gesichert, neue Betreiber sind nun am Werk. Feldkirch hätte gerne ein neues Programmkino, da die Projektions-Qualität des Namenlos zu wünschen übrig lässt.

7.3.09
Mit der Ankündigung von Michael Wieser in den VN vom 6.3.09, der eine Zeit lang die Dornbirner Weltlichtspiele betrieb (Ära zwischen Pienz und Spiegel), ab 13.3.09 das Dornbirner Cinema 2000 mit anspruchsvollen Filmen programmieren zu wollen, verbessert sich die Kinoqualität in Dornbirn. Dennoch befürchten wir auch, dass dadurch der Schritt zu einem echten Programmkino nicht einfacher wird. Schwierig wird die Situation sicher für die Weltlichstpiele, die ja ebenfalls gehobene Qualität zeigen und eigentlich ihr betagtes Kino schon lange restaurieren wollten. Richtig ist jedenfalls die Aussage Wiesers, dass sich ohne Subvention kein echtes Programmkino betreiben lässt, genauso wenig wie jedes Kunsthaus, Opernhaus oder auch Fußballplatz!
Nach Finks Meinung erfüllt Wieser jedoch die wichtigsten Kriterien für ein Programmkino nicht (keine OmU-Fassungen, keine unabhängigen Programminfos,....)

2010:


Ende des Jahres schlossen die Weltlichtspiele für immer. Es wird aber noch 5 Jahre dauern, bis sie abgerissen werden sein. Der FKC wechselte in Cinema, musste den Freitag-Abendtermin aufgeben und auf den Mittwoch verlegen, später wird der Mittwoch-Termin mangels an nachtaktivem Publikum auf 18 Uhr vorverlegt, was vor allem die Pensionisten gerne annehmen.

Die Filmfabrik am Spielboden bekommt einen Kinosaal und einen vom Land finanzierten Digital-Projektor und veranstaltet zunehmend. Der 35mm-Projektor im großen Saal wird immer weniger genutzt.

3.1.2014

Die Weltlichtspiele sind Geschichte, die Filmfabrik im Spielboden (die gerne auch an den Mittwoch und Donnerstag-Terminen des FKC spielt) hat technisch aufgerüstet und bietet jetzt auch 2K-(HD) Qualität. Wegen der Terminkollision wird die Konkurrenz seitens des FKC ungern gesehen. Walter Gasperi programmiert aber für beide und versucht doe Filme so auszuwählen, dass sich die Publikumsschichten nicht überschneiden.

Das Cinema Dornbirn bezeichnet sich selbst als Programmkino, ohne jedoch die Hauptkriterien, das Vorführen in OmU - Fassung und künstlerische Betreuung zu erfüllen.
In letzter Zeit werden am Dienstag auch Filme in der OF oder OmU gezeigt, was ein ganz anderes Publikum anziehe. d.h. mit OmU und DF zusammen lockt man mehr Leute an als nur mit OmU oder nur DF.

Erfreulicherweise löste das digitale Kino (DCP-Format) das Problem mit dem falschen Bildformaten und Verfügbarkeit von Kopien, die Auswahl an Filmen ist aber keineswegs besser geworden, v.a. was Europäische Filme betrifft (spanische oder französische Filme sind bei österr. Verleihern deswegen nicht häufiger oder aktueller zu finden!).

2015
Im Westen nichts Neues. Die drei Filmclubs Filmforum Bregenz, FKC Dornbirn und TASKino Feldkirch versorgen das Land unter der Woche mit Qualitätsfilmen. Der Spielboden versucht mit inhaltlichen Schwerpunkten und Kooperationen mit Initiativen und Vereinen ebenfalls mitzumischen. Die Weltlichtspiele wurden im August 2105 abgetragen. So schnell wird dort nichts passieren.
Das Burgenland und Vorarlberg bleiben somit die Schlusslichter in Sachen Programmkino.


Dr.Norbert Fink
 

zurück