DRM und DAB - eine Bilanz
von Dr. Norbert Fink


Stand 8.1.16
Mit der Abschaltung der Mittelwelle per 31.12.15 in D, B, NL sind auch einige DRM-Sender abgeschaltet worden (z.B. RTL), sodass es für DRM bei uns düster ausschaut. Indien hingegen baut voll auf den Ausbau von DRM um hohe Reichweiten bei guter Qualität zu bekommen.
Auch über die Abschaltung der UKW wird schon nachgedacht. Dabei gibt es einige Stimmen, die DRM+ auf UKW möchten, statt ein Umstieg auf DAB+.
Ob Henne oder Ei schuld waren? Zuwenig brauchbare Empfänger - oder zuwenig Sender?

DRM - ein Flop?
Stand 2014

Nachdem viele namhaften europäische Sender die Kurzwelle eingestellt haben, ist auch deren Ausbau auf digitale Kurzwelle als gescheitert anzusehen.
Vor rund 10 Jahren galt DRM als große Hoffnung, von der BBC über die Deutsche Welle bis zum ORF /ROI wollten alle mitmachen, sogar kommerzielle Sender wie Radio Luxemburg.
Dabei wurden viele Millionen in den Senderausbau gesteckt. Schuld daran ist die Industrie, die DRM weder bewarb noch ausreichend preisgünstige Modelle entwickelte und anbot. Ohne entsprechende neue Radios keine Hörer! Auch der ORF-Sender Moosbrunn wurde digital aufgerüstet, vermietet diesen aber an religiöse Anbieter. Ö1 kann immer noch analog auf KW auf 6155 in der Zeit von 7:00 bis 8:13 österr. Zeit bis in die Karibik empfangen werden!

 
Stand 2009

Was ist DRM?

DRM - Digital Radio Mondiale  ist die zukunftsweisende Technologie über Lang- Kurz- und Mittelwelle, statt im AM-Verfahren von 1921 in einer überraschend guter Qualität digital zu senden - ohne dabei die spezifischen Verbreitungseigenschaften dieser Wellenbereiche -  z.T. weltumspannend - zu verlieren. Sogar STEREO über Kurz-, Mittel und Langwelle ist damit theoretisch möglich!

Recherchiert man ein wenig im Internet und hört sich so um, so ergibt sich folgendes Bild:
- nach einigen Jahren (!) des Wartens gibt es die ersten DRM-Radios (z.B. Morphy Richards) zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt
- einige Sender haben den DRM Testbetrieb wieder eingestellt (offenbar hatten sie mangels an Geräten nur ein Handvoll Hörer), obwohl sie hohe Investitionskosten für die Umstellung hatten.
- andererseits setzen einige nach wie vor auf DRM, etwa RTL, die Deutsche Welle und einige ARD-Kurzwellensender (BR)
- das Gebastel an geeigneten Antennen geht weiter. Die eingebauten Antennen sind unzureichend, altbewährte Tipps gelten noch immer. Neu im Rennen - abgestimmte Loop-Antennen.
- der Reiz, die hohe Entfernung des Senders erahnen zu können und gerade noch etwas zu hören fällt weg. Stattdessen gluckert es und kommt zu unschönen Unterbrechern, wenn der Empfang zu schwach wird.

- DRM stört eher den analogen Empfang, da DRM z.T. breitbandiger (9-10 kHz statt 4,5-5)  sendet, hören analoge AM-Empfänger nur ein störendes Rauschen, wenn auf DRM gesendet wird.

- mit DRM+ wäre eine Weiterentwicklung des UKW-Rundfunks möglich, ohne den Frequenzbereich wechseln zu müssen (wie dies bei DAB der Fall ist) .
- für den Urlaub sind die DRM-Radios noch nicht ganz geeignet. Sie brauchen viel Strom bzw. Batterien.

Aktuell strahlt eine Vielzahl von Sendern täglich weltweit Sendungen in DRM aus:   Liste der DRM Sender

Die Entwicklung von DRM 30 (bis 30 MHz) ist weitgehend abgeschlossen und standardisiert. Die Standardisierung von DRM+ läuft zur Zeit noch.

Die Deutsche Welle sendet in Zusammenarbeit mit der BBC ihr digitales Zusatzangebot BBC & DW fast rund um die Uhr für Europa über Sendeanlagen in Skelton (GB) und Sines (Portugal) in DRM. Zudem sendet RTL Radio von Luxemburg aus über die Mittelwelle 1.440 kHz und Kurzwelle 6.095 kHz im DRM-Modus. Seit 2. Mai 2005 wird auch der KW-Sender Ismaning des Bayerischen Rundfunks auf 6.085 kHz digital betrieben. Zahlreiche internationale Stationen testen bzw. nutzen DRM. OldieStar Radio ist der erste deutsche Privatsender, der sein Programm auch im DRM Modus ausstrahlt. Seit 2005 wird das Programm in Berlin auf der Mittelwelle 1485 kHz und seit 1. August 2006 auf 1575 kHz über die Sendeanlagen in Burg (Sachsen-Anhalt) verbreitet. Radio HCJB ist neben den üblichen Ausstrahlungen in analoger Kurzwelle und WRN auch über einen kleinen Sender (4kW) aus Pifo/Ekuador regelmäßig in DRM in Deutsch hörbar.

Seit dem 26. Mai 2008 strahlt auch Radio Bulgarien sein Inlandsprogramm in bulgarisch europaweit in DRM aus.

Insgesamt konnte DRM allerdings bislang - wohl vor allem aufgrund der mangelhaften Empfängersituation - noch keine große Marktbedeutung erlangen.

mehr über DRM


DAB / DAB+ /DMR
Stand 2014

Langsam aber sicher kommt auch in Deutschland das Digitalradio in Fahrt. Immer mehr exclusiv-Programme werden über immer mehr Senderstandorte ausgestrahlt. Bei uns sind seit Dez 2012 auch über den Sender Pfänder alle öffentlich-rechtlichen und privaten Bayrischen und SWR-Programme in DAB+ zu empfangen, die Schweizer Sender ja schon seit langem.

DAB selbst war im ersten Anlauf 1995  in Deutschland und Belgien ja ein ziemlicher Flopp. Dann kam die Umstellung von normalen DAB auf DAB+, was neue Geräte bedingte. Die 2012 gestartete neue DAB+ Offensive ist ja erfolgreicher und die Industrie liefert nun viele Geräte in allen Preisklassen. Nur im Autoradio-Bereich könnte die Auswahl besser sein, v.a. gehört DAB+ noch immer nicht zur normalen Autoradioausstattung (nur in England!). 

Frankreich will bald DMR einführen, das auch die Übertragung von Standbildern (z.B. für Stauumfahrungspläne) ermöglichen soll, weitgehend aber DAB+ ähnelt.


Stand 2009
ORF stellt DAB - Testbetriebe ein
DRS startet in Graubünden DAB+


Während der ORF seine beiden - völlig im Verborgenen - durchgeführten DAB-Testsender in Wien in Innsbruck wieder abschaltete, weil keiner das wusste, niemand bewarb und auch die Geschäfte keine DAB Radios in Österreich anboten, versiebenfachte sich in der Schweiz der Verkauf der DAB Radios. Einzige Verunsicherung: DAB+
Während DAB nach einem mp3-ähnlichen Komprimierungsverfahren arbeitet, das nun auch schon in die Jahre gekommen ist, arbeitet DAB+ nach dem noch effektiveren AAC - Verfahren. Beide Entwicklungen des Fraunhofer Instituts revolutionieren die digitalen Audio-Medien.
Klar; wenn ARD- und ORF auf DAB dasselbe wie auf UKW anbieten und das nicht einmal in besserer Qualität, warum soll man sich dann ein teures neues DAB Radio anschaffen?
Die Schweizer haben dies gleich erkannt und mit Radio Swiss Classic, Radio Swiss Jazz, Virus, Swiss Pop, Musigwälle und DRS 4 mindestens vier (z.T. sogar 6 !) Programme MEHR als auf UKW angeboten und das in sehr guter Qualität. Darum funktioniert dort, wie auch in England, DAB. Außerdem sieht man in Display, was gerade gespielt wird.

Um in der Schweiz auch den privaten Lokalradios den Einstieg in die DAB Technologie zu ermöglichen, sollte das zweite DAB-Paket, das ab heuer angeboten werden soll, im noch besseren DAB+ Verfahren abgestrahlt werden, was allerdings nicht alle "alten"  DAB-Radios empfangen können, nur einige wenige lassen sich in der Firmware updaten.

Zur Erinnerung: bis 6.1.1998  gab es in der Schweiz den "Schweizer Telefonrundspruch" (Drahtfunkdienst) , der kabelgebunden über Langwelle mit 9 kHz Bandbreite wahlweise zum Telefon zu hören war - in vielen Hotels gab es die "Biennophone" Radios mit 6 Programmen, darunter auch Jazz und Klassik. Nachdem der Drahtfunk dem ADSL-Internet weichen musste, gibt es diese zusätzlichen Radioprogramme nun auf DAB  und Internet in der Schweiz. Zuvor Strahlte die Schweiz sie über ADR- Astra Digital Radio aus.

Der ORF liebäugelte einige Zeit mit DRM+ für UKW, was in begrenztem Ausmaß einen Parallelbetrieb von analog und digital auf gleichen Bändern ermöglicht hätte. DAB+ setzt sich aber langsam, aber sicher europaweit durch.

Konkurrenz: Webradio      

Größte Konkurrenz sind die Webradios, die zu tausenden im Internet zu hören sind - Breitband und flatrate vorausgesetzt.
Mit der immer besseren Durchdringung mit erschwinglichem Breitband-Internet, werden die an die terrestrische Sender gebundenen neuen Digitalverfahren (es gäbe außer DAB und DRM noch einige mehr) immer mehr durch das kostgünstige Internetverfahren konkurrenziert.
Krisensicher - also auch in Katastrophen- und Kriegszeiten sind aber nur die Kurzwellen!  Webradio im Auto ist seit der IFA 2013 auch ein Thema, zumindest möchten manche Firmen auch im Auto immer online sein, was zusätzliche Kosten mit Daten-SIM-Karten verursacht und die mobilen Telefonanbieter erfreut.  Da schon DAB+ im Autoradio gerne zu Aussetzern führt, dürfte das mit dem mobilen Internet noch viel schlimmer sein, wird aus diversen Foren berichtet.


Norbert Fink  Mail an: nobi(ät)fkc.at
19.9.2014