Am 15.5.07 fand auf dem Spielboden eine Veranstaltung zum Thema

Geistiger Umweltschutz – Filmzensur in Vorarlberg 
 
statt.

Präsentation des Buches „Feuersteine. Jugendprotest und kultureller Aufbruch in Vorarlberg“ durch den Politologen Mag. Dr. Karl Schall 
Diskussionspartner: Dr. Norbert Fink, Filmkulturklub Dornbirn.
Moderation: Brigitte Walk 

341 Filme wurden zwischen 1955 und 1989 per Verordnung in Vorarlberg verboten. Auf der Grundlage des Lichtspielgesetzes sollten die (erwachsenen!) Bürgerinnen und Bürger des Landes vor „entsittlichenden, verrohenden und das religiöse Empfinden verletzenden“ Bildern bewahrt werden. Besonders hervorgetan hatte sich dabei Landeshauptmann Herbert Kessler – unter dem Motto „geistiger Umweltschutz“.
 
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Jugendprotest und kultureller Aufbruch in Vorarlberg nach 1970“ der Grünen Bildungswerkstatt in Zusammenarbeit mit der Johann-August-Malin-Gesellschaft, der Filmfabrik am Spielboden Dornbirn, dem Kulturforum Bregenzerwald und dem Theater am Saumarkt Feldkirch.

Nach einer ausgiebigen Lesung aus dem Buch berichtete FKC-Obmann Dr. Norbert Fink, übrigens auch einer der Mitbegründer und ehem. Vorstandsmitglied des Spielbodens von seinen Erfahrungen mit der Zensur.

Komplettes Manuskript, aktualisiert

Musterbrief von Humer an Kessler (zum Fall "Was heißt den hier Liebe?) von 1981 

Artikel im Wann & Wo vom 20.5.07 über diese Veranstaltung


Dr. Schall zeiget vor allem die Auswüchse der Zensur in Vorarlberg (sie betraf nach dem Krieg "logischerweise" auch die Oper "La Traviata", denn da wird wie im "Mädchen Irma La Douce" auch die Prostitution verherrlicht), das Twistverbot, das Bikiniverbot und die kontinuierliche Entwicklung von der k.u.k. Monarchie mit ihrer strengen Zensur, über den Austrofaschismus und den Nationalsozialismus bis hin zur Entwicklung Vorarlbergs unter der französischen Besatzung auf. Dem folgte ein christlich geprägter, aber von der Ideologie der früheren Epochen beeinflusster "Freiheitsbegriff", vor allem von Ilg und Kessler.
Am zweiten Tag wurde die Zensur eher juristisch gesehen, Gerhard Ruiss und Dr. Werner Grabher diskutierten über "die Würde der Religion und die Freiheit der Kunst". - "Zensur will den Gegner zerstören" - sie ist zumindest auf die Vernichtung geistigen Eigentums aus, betonte Ruiss.
Bundesgesetzlich wegen "Herabwürdigung religiöser Lehren" sind "das Gespenst" von Herbert Achternbusch und
"das Liebeskonzil" von Werner Schröter verboten. Der Widerspruch zwischen dem Schutz "religiöser Gefühle" und der verfassungsmäßigen Freiheit der Kunst wurde am Beispiel "das Gespenst" erörtert.


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